Dienstag, 16. November 2010

Die Novemberpistole am 28.11. mit Lauscher, der Marian und Basti Vaterland


Die Leserpistole! - Die langweilige Leseshow im atomaren Wohnzimmer mit Wilko Franz und garstigen Gästen. Texte, Krams und Live-Musik zwischen Nonsense und Sensibility!

„Nobody knows the November I've seen“ denken vielleicht viele von Euch klamm und heimlich und fühlen sich im elften Monat bedeutungsschwanger. Wenn ihr den November lieber versöhnlich enden lassen wollt, kommt doch auf gut Glück zur Leserpistole mit fabulösen und fabulierenden Gästen! Basti Vaterland [Krawehl], der Marian [Gewinn die Wa(h)lnuss] und für die Musik das DeutschFolkDuo Lauscher aus Hamm! Ich würd hingehen, wenn ich nicht eh schon da wär...

Wer sich als Otto Normalverbraucher verkleidet, kommt umsonst rein!

Der Eintritt ist frei.


Ihr wurdet geLINKt!:

Lauscher:

Lauscher ist ein Duo. Lauscher spielt akustisch. Lauscher macht Kleinkunst. Über Lauscher lässt sich Vieles sagen. Nichts davon kann beschreiben, was man beim Lauschen fühlt.

Ab! Auf die Pirsch in Lauschers knorrige Welt...



Basti Vaterland (Sebastian Huncke):

Lieb Vaterland, magst ruhig sein ...wie Du eben so bist!, mag man da anfügen. Denn wirklich beschreibbar sind Basti Vaterlands Texte (außer durch ihre Unbeschreiblichkeit) eigentlich nicht. Wenn Monty Pythons mit Kafka zusammen einen Kiosk eröffnen würden, dann stünde Basti Vaterland vermutlich als Verkäufer hinter dem Tresen. 

Der Marian (Marian Heuser):

Jahrgang 84, wohnt und studiert in Münster. Er schreibt, liest, macht Fotos und sich Gedanken. Seit 2008 slammt und moderiert er ("Gewinn die Wa(h)lnuss" und "World of WORDcraft"). Januar 2010 ging er unter die Buchautoren. Zusammen mit Andreas Weber entstand die Anthologie "Frische Eier - Junge, westfälische Off-Literatur" (Sonderpunktverlag).

Wilko Franz (Ich):

Im Wilko-Franz-Sein bislang der Beste.

Sonntag, 14. November 2010

Wanne, wenn nicht jetzt?!


bathtube bunny (strengstes Kopierrecht!)
Wanne, wenn nicht jetzt?!
Es war ein überaus spontaner Entschluss und man freut sich ja eigentlich, wenn man aus Versehen wieder mal spontan ist. Bei mir ging das aber erst mal nicht so gut. Ich wollte nämlich duschen und habe beim Kontakt mit dem Warmwasser plötzlich ein überschäumendes Bedürfnis nach einem Schaumbad bekommen. Kenner der Szene erkennen schon das Dilemma darin. Man steht mit kaltem Arsch da – weil ja schon entblößt und angeduscht – und wartet darauf, dass sich die riesige Wanne füllen möge, denn so ohne weiteres lege ich meinen kalten Arsch nicht in so ne lauwarme Lache, bzw. bin ich auch nicht so scharf darauf meine sowieso schon unterkühlte Haut an frostigem Porzellan zu reiben. Da krieg ich glatt noch ne Zusatzgänsehaut im Nachhinein. Das wär übrigens ein schöner Name für ein Schweizer Kanton. I wohn im Nachhinein! Schnickschnack. Zurück zum Dilemma. Es wäre sicher durchaus amüsant für Außenstehende gewesen, zu beobachten welche Taktiken ich beim Wassereinlassen anwende um nicht zu erfrieren und wie ich nackter, frierender Freak kurz drauf in meiner Lache sitze, aber das wird ja niemand jemals erfahren. Immer wieder besprinklere ich mit dem Duschstrahl Beine und Oberkörper. Ich bin wie ein gestrandeter Wal, aber immerhin: helf ich mir selbst. Während ich der uralten Verdrängungsfaszination erliege - Wie muss man sich hinlegen um den Wasserspiegel maximal ansteigen zu lassen? Was ja in meinem Fall maximale Körperranderwärmung bedeutet! - , kann ich derweil durch die Dachluke sehr schön den Novemberwind im Selbstgespräch hören, wie er davon erzählt, dass man ruhig mal heulen sollte, notfalls auch ruhig mal mit den Wölfen und dass die Blätterschäfchen schön ins Trockene getrieben werden und notfalls aber auch nur getrieben, wenn es nichts Trockenes gibt. Novemberwind, denke ich, halt mal den Ball flach! Jedenfalls steigt mit dem Wasserspiegel nicht nur meine Körpertemperatur gemächlich an, sondern auch mein Gemütlichkeitsbewußtsein und das ist es schließlich, wofür ich mir diese Wasserfolter antue! Habe ich schon erwähnt, dass Schaumbäder heutzutage auch nicht mehr das sind, was sie mal waren? Schön blau ist es ja, aber es will mir einfach nicht gelingen auch nur die kleinsten Schaumberge zu erstellen. Naja, vermutlich ist der schwache Wasserdruck Schuld dran, der prügelt einfach zu wenig Schaum raus! Ha, zum Thema Schaum krame ich jetzt mal (auswendig!) eines meiner stärksten, erotischen Gedichte hervor:

Feuchter Traum

Ich sah Dich neulich nackt
in einem Traum, 
Du, in einer Badewanne
und rundherum nur Schaum.
Nur zugegeben dumm daran,
ich sah Dich eigentlich kaum,
und zugegeben Schuld daran:
Der scheißverdammte Schaum!

Okay, ich hab stärkere, erotische Gedichte, aber die lass ich mal außen vor, denn meine Grundsituation und meine Gemütslage in der Wanne haben etwas höchst Unerotisches. Darauf möchte ich bestehen, bevor es jemand anderes tut und an meinem Selbstbewusstsein nagt (... an mein Selbstbewusstsein lass ich nämlich nur Wasser und Eichhörnchen... wegen dem Nagen, ihr versteht... okay, streichen wir das). Obwohl ich also geistig total unschlüpfrig bin, ist die Körperlichkeit einer Wannensituation dennoch als gegeben anzusehen und ich denke, da stimmen mir die meisten Wannenlieger zu. Ich bade ja nicht mehr so häufig wie noch als Kind und bin daher auch nicht so im Training, aber ich vermeine doch, dass es neben der Hygiene noch diesen Entspannungsbogen gibt, den man versucht, nun, äh, zu spannen (vermutlich... ich denk da noch mal drüber nach). Mit steigendem Pegel gelingt das auch bei mir recht gut (heißes Wasser und Alkohol haben also folgende Gemeinsamkeiten: Hygiene, Entspannung und nachher ist man verschrumpelt...) und ich träume tatsächlich einfach so vor mir hin und her und verwende meine Notreserve Gehirnkapazität darauf, anstatt Ängste und Termine mal Wasser zu verdrängen. Wechsele zwischen Sitz-und Rückenlage in einem fein kalkulierten Algorithmus, der mich maximal abtauchen und letztendlich auch abtauen lässt. Ganz warm wird mir ums Herzen, die Wanne ist lieb zu mir. Apropos Algorithmus, den wollte ich ungermanistisches Geschöpf gerade Algorhythmus schreiben, aber die Rechtschreibprüfung hat mich davor bewahrt, dabei ist mein Auf-und Abtauchen schon sehr rhythmisch, wie ich finde. Und apropos Algo, ich bin froh, dass hier keine Algen sind, sondern nur blaues Schaumwasser. Ah! Beine durchstrecken, das ist der Wahnsinn. Besonders nach so nem Tag mit Roadrage und überhaupt mit ganz viel Rage against ganz viel. Sehr klug von mir, dass ich so spontan bin, denke ich in diesem Moment stolz. Die Wanne rettet mich vor meiner Wüterich-Seite. Der Wüterich wird ertränkt. Oder aufgeweicht oder verschäumt oder so. Ah! Kopf unter Wasser, Augen zu, nur Nase raus, das ist der Wahnsinn (auch wenn ich meine Beine anner Wand hochhalten muss und das ziemlich albern aussieht. Aber das weiß ja keiner). Puck-puck, puck-puck, puck-puck... Das eigene Herz zuallererst zu hören, wie es seinen Walsonar durch die Badewannentiefsee sendet, ist... ja wie eigentlich. Beruhigend, ja schon, aber andererseits... man kann sich bspw. sehr enttäuschen, wenn man versucht seinen Herzschlag durch konzentrierte Entspannung zu verlangsamen... aber ich lieg grundsätzlich gerne unter Wasser. Das erinnert mich daran, wie ich meine Streckentauchphase hatte und im Stadtbad Mitte abends als Letzter im bzw. unter dem Wasser war, um noch mal möglichst aufregungsarm durchs Wasser zu gleiten. Ah! Stadtbad Mitte, das halbe Licht schon aus, alleine im bzw. unterm Wasser, das ist der Wahnsinn. Mit letzter Luft auftauchen wollen, wenn es nicht so leer ist und andere Menschen (igitt, andere Menschen!) einen im Wasser aufregen (weil sie nicht nur Wasser treten... verdammte Walkühe!), ist nicht so der Wahnsinn. Oder, wenn man versucht ganz entspannt zu sein, denn alle Walkühe sind weg, man dann aber auf der zweiten Bahn das Geräusch der watschelnden Badelatschen der gestrengen Bademeisterine am Beckenrand unter Wasser visualisiert (und man weiß instinktiv wie abschätzig böse sie guckt, weil die offizielle Badezeit seit einer Minute vorbei ist und ich ja anscheinend nicht vorhabe vor 22 Uhr aufzutauchen und sie wegen mir den Bus verpassen wird und... pah! Als wenn nach Ende der offiziellen Badezeit auch nur eine einzige Dusche frei wäre!) Also kurzum: Entspannung im Schwimmbad ist ne knifflige Sache. Zurück ins Schaumbad Mitte. Zufrieden hänge ich in den Porzellanseilen und verfolge Schweißtropfen auf meiner Stirn. Sehr entspannt so eine Entspannung, sehr klug von mir. Ich nutze das Wohlgefühl und die Hitze des Augenblicks um mich vorsichtig zu dehnen. Mann, was man seinem Körper alles an üblen Muskelverkrampfungen durch so nen Drecksalltagstag zumutet! Meine Versuche mich umfassend zu dehnen, sind übrigens noch weniger für Außenstehende gedacht und sie fördern die Unerotik des Augenblicks enorm, trotz ihrer ganzen Körperlichkeit. Etwas traurig werde ich dann, als ich merke, dass ich mich nicht mehr so mir nichts dir nichts auf den Bauch drehen kann. Das Drehen ist saukompliziert, ich bin einfach zu lang und zu klobig und so verflucht unerotisch dabei. Sardine in Büchse, Wilko in Wanne, beides nicht schön. Ich werde noch trauriger als ich daran denke, dass ich weder Schiffe zum Spielen habe noch eine Schwimmbrille um in der blue Blubberbay Unterwasserabenteuer zu erleben. Nicht mal eine knospende Nymphe badet ihre erwachende Fraulichkeit zusammen mit mir. Blaue Lagune ist also auch nicht angesagt. Dafür aber November Rain (ohne Gun's n Roses) aufs Dachfenster. Herbstbad Mitte, denke ich und es reicht noch für ne ganze Menge an Wellnessminuten (drei oder vielleicht sogar vier, ewig lang jedenfalls). Dann schrumpelt mir alles doch zu sehr. Schrumpelstilzchen, denke ich kurz, finde es dann aber weder bedeutungsvoll noch witzig genug, um es hier rein zu schreiben. Dann, denk ich weiter, kann man allerdings auch das meiste hier streichen, finde es aber weder bedeutungsvoll noch witzig genug um es hier rein zu schreiben. Matschhirn und Dünenhaut finden jedenfalls, dass es an der Zeit ist das Ganze mit ein paar ordentlichen Sternchen beim Aufstehen enden zu lassen. Und genau so mach ich das. * * * ;-)

PS: Geb ich ja freiwillig zu: Ist ne Geschichte mit langem Bad...

Mittwoch, 3. November 2010

Triptychontreppe


Triptychontreppe

Kunst für kleine Pausen, denke ich und sitze auf dem Gitter und rauche, obwohl ich immer noch Nichtraucher bin. Früher da war ich mal alternativ. War ständig irgendwie Indie, meistens ganz lieb, war nur nicht provokativ, was zu Lasten meiner Alternativität gezählt werden darf. Ich war tief in der spartenlosen Sparte und sah auch alles aus dieser Warte (ich reime aus Versehen, pardon), mit einer gewissen sensiblen Arroganz. Jetzt, zehn Jahre später, sitz ich wieder auf dieser Treppe und schaue wieder hinab, wie in ein Gehege. Der gleiche Junge, nur irgendwie älter als damals. Und, was fehlt, frag ich mich. Was fehlt zu dem Jungen von damals? Ich glaube, es ist diese Erwartungseinstellung. Diese „ich-werde-heute-vielleicht-gelebt-werden-Altitüde“ womöglich tue sogar ich was Lebendes... Alles ist egaler geworden. Ich kriege keine Aufregung mehr, wenn ich auf fremde Menschen blicke. Die lassen mich kalt. Ich blicke einfach nur auf sie. Ich bin kalt, das ist wahrscheinlich das Problem. Unausgelöst, stecke ich einfach zu sehr in mir fest. Aber egal. Ich bin selber egaler. Wegen mir verändert sich nicht die Welt, schon gar nicht das Gehege zu meinen Füßen. Ich erscheine am Rand, nur scheine ich nicht, sondern dimme irgendwie vor mir hin. Distanziert zur Offenarmigkeit des Gelebt-werden-wollens. Ich habe die Arme schon für soviele breit gemacht in meiner Erwartungseinstellung, dass es mir jetzt irgendwie, ja, egal ist. Und das ist mir irgendwie gar nicht egal, ich bin mir nicht egal. Dass ich so ein egaler, rostiger Gerüstaspekt geworden bin und mich und meine Egalität viel zu wichtig nehme. War ich denn früher, als ich noch zuhause wohnte tatsächlich alternativer als heut, wo ich frei bin, freigeistig, frei von Sicherheiten und naja, geben wir es zu, dadurch eigentlich immer unfreier bin!? Man will mit Sicherheit frei sein, nicht ohne sie. Aber trotzdem, war ich im Familiennest freier, ungebundener, fließender, erwartender? Erwartender sein, ist eine Berufung der Jugendlichkeit, denke ich. Ist immer gut, wenn man erwartend ist, planend, sich vom Passieren streifen lassen kann. Sicher, dafür muss auch was passieren. Und das wiederum erwarte ich nun mal nicht mehr so ungefragt. Dachte ich früher: „Was alles noch kommt?!“ so denke ich heute „Was alles schon war!“ Ja, heute beruhige ich mich damit, dass doch eigentlich nichts kommt, was ich nicht hab kommen sehen, es sei denn es ist Zufall oder ein Unfall, aber da fällt man ja auch rein, das hat nichts mit erwarten zu tun, jedenfalls denke ich nicht, dass gleich etwas passiert, was mein Leben verändert, nichts, was mich verändert, ich hüte meine Gleichartigkeit mit meinen trüben Augäpfeln. Ich will gleich gleichbleibend bleiben.
Ich hab irgendwie etwas anderes erwartet, als einmal ein Nichterwartender zu werden.
Jetzt suhlt er sich aber, denkt ihr und (um es mit Thomas Magnum zu sagen): Sie haben Recht! Aber, das habe ich eben auch erwartet. Nun, was ist dann so schreibwert an dieser Ödnisanalyse, mögt ihr denken/fragen und obwohl es mir beinahe nicht egal ist, will ich diese handlungsarme Gedankenabhandlung fortführen. Denn ab und zu kommt dieser Kitzel wieder, dass die Situation eine „Etwas-Passierende“ sein könnte, dass man nichts planen kann, nicht mal seinen eigenen Kopf und vom Herz will ich mal gar nicht erst anfangen. Dass etwas mit mir passieren könnte. So was ist gefährlich, natürlich, aber eben auch gefährlich fabelhaft, wenn man zumindest in einer „Etwas-könnte-passieren-Hoffnung“ ist, dann ist alles schon mal viel weniger egal, sondern wird, so unbedeutend es auch sein mag, bedeutend, und das bedeutet mir was! Dann könnte man fast wieder einen oder noch einen Moment jung sein und dann sind sie einem nicht mehr egal, diese menschlichen Gestalten, die da unten grasen oder an einem vorbei die Treppe hochgehen. Dann sind sie nicht mal mehr Gestalten, sondern man sieht sie als wandelnde, wunderbar warme Möglichkeiten. Warme Wunder. Warm ist jetzt schwer zu umschreiben, warm benennt wohl so etwas wie das Gefühl einer grundsätzlichen Philanthropie in mir. So etwas wie eine Menschenliebe der Möglichkeiten oder dass es möglich ist Menschen zu lieben. Überhaupt ist es auch viel einfacher sich selbst zu lieben, wenn man kein Nichterwartender ist, sondern warmmütig und ganz vielleicht sogar selber ein Wunder. Ja, ich kann noch immer ein echter erwartender Warmmüter sein, ich muss es nur zulassen, und so ein Junge, der so was kann, der bin ich noch immer, auch heute.
Gott, das Bier ist gut und dass es keinen Platz mehr auf dem Papier gibt, das ist verdammt noch mal auch saugut! Und die Musik von drinnen, die ist auch saugut, und saugute Leute da, so viele, die ich saumäßig mag. Ich geh rein: Stepptanzen. Jung sein: Saugut!